Interview mit Shibaku

Heute möchte ich euch Shibaku etwas näher bringen. Vor einer Weile habe ich bereits ein Review zu ersten Buch der Reihe geschrieben, aber wie kann man jemanden und sein Konzept und Produkt besser kennenlernen, als in einem Interview? Ich habe dem Genie hinter Shibaku ein paar spannende Fragen stellen können und diese nun für euch hier zusammen getragen.

Was ist Shibaku ?
Shibaku ist SHI(BA) von Shibari und (BA)KU von Kinbaku. Das ist mein eigenes Wortspiel, da im Deutschen Wortgebrauch die Bedeutung der beiden Worte kaum zu unterscheiden ist. Auch wenn der eine Rigger Shibari und der andere Kinbaku macht, so ist es für mich kein wirklicher Unterschied. Shibaku ist japanisch inspiriertes Fesseln mit Seil in der Version 2.0 … weniger düster, viel bunter und etwas freier oder breiter in den erlaubten Seilführungen.

Wer ist Shibaku ?
Hinter Shibaku steht Peter Wettstein. Ich bin der Illustrator, Autor, Binder und Verleger der Shibaku Bücher. Neben den Büchern erstelle ich verschiedene andere Artikel zum Thema Fesseln mit Seil, plane und realisiere die verschiedenen Messen, aktualisiere die Homepage, versende die Bestellungen und erledige alles andere, was zum Shibaku-Auftritt gehört. Zudem habe ich noch ein anderes Leben und muss manchmal auch Gestaltungsarbeiten für Kunden erledigen. Es kann daher vorkommen, dass mal etwas bei Shibaku liegen bleibt.

Was stellst du in deinen 3 Büchern vor?
Die bis jetzt erschienenen drei Bücher von Shibaku zeigen die Grundlagen im Umgang mit Seil. Sie sind ähnlich wie ein dreiteiliger Workshop aufgebaut.
1 Basis & Grundlagen zeigt die ersten Schritte und einige einfache Fesselungen mit Seil.
2 Takte-kote & Oberkörper behandelt wie der Titel sagt verschiedene Oberkörperfesselungen.
3 Abheben & Fliegen erklärt die Grundlagen von der Semi-Suspension in die Suspension.
Wie waren deine ersten Erfahrungen mit dem Thema Bondage?
Mein erster Seilkontakt war ein ziemlicher Stress für mich. Ich hatte grosse Mühe, mir die Seilführungen zu merken und nachzubauen. Zudem hat es mich sehr verwirrt, dass zum Beispiel ein Knoten so der so oder… gebunden werden konnte.

Was ist jetzt die richtige Seilführung und warum?
Heute weiss ich, dass es verschiedene Schulen gibt, die eine Technik von einem bestimmten Meister lehren. So gibt es verschiedene Wege und Ansätze, die alle richtig und sicher sind. Wenn jetzt ein Beginner einen Workshop nach Osada Ryu besucht, so wird genau diese Seilführung gelehrt. In einem freieren Workshop (wie ich besucht hatte) sind die Möglichkeiten vielfältiger, was für den Anfänger viel verwirrender ist.
Auch wenn meine ersten Schritte wenig erfolgreich waren, so war ich die Tage nach meinem ersten Seilkontakt sehr fasziniert und wollte unbedingt mehr erfahren.

Was bedeutet Fesseln für dich?
Je länger ich mich mit Seil beschäftige um so leichter fällt mir das Legen der Seile. So habe ich Zeit um mit meiner gefesselten Partnerin ein wenig zu spielen. So macht das Fesseln uns beiden grossen Spass. Für mich ist es das Geniessen der Macht über meine ausgelieferte Partnerin, meine Partnerin wiederum geniesst es, die Verantwortung abzugeben und zu Erfahren wie weit sie gehen kann. Da mir die Optik und die Ästhetik der Seillagen sehr gefällt und ich gerne in der Natur bin, machen wir immer wieder Fesselungen draussen um diese auf Bildern festzuhalten.

Wie viele Jahre beschäftigst du dich schon mit dieser Thematik?
Meinen ersten Seilkontakt hatte ich im Sommer 2012, auch wenn mich das Thema schon Jahre vorher interessierte. Als ich per Zufall von einem Kurs zum Thema Fesseln erfahren hatte war es für mich dann klar, ich nehme Teil.

Was hat dich dazu gebracht, Bücher zum Thema Bondage zu schreiben?
In einem Beginner-Kurs sagte ein Teilnehmer, dass er den Kurs nun zum zweiten Mal besuche, da er zu Hause nicht mehr wusste wie er eine Seilverlängerung machen konnte. Da wusste ich, dass es  keine Kursunterlagen gibt und ich das neu erfahrene Wissen selber sammeln und archivieren musste. Nach einiger Zeit und vielen gezeichneten A4-Seiten habe ich mich dann entschieden ein Buch daraus zu erstellen. Im Internet habe ich dann ein Tutorial über die koptische Buchbindetechnik gefunden. Diese Technik habe ich mir dann angeeignet und ein erstes Buch für mich gebunden. Als mir immer mehr Leute geraten hatten, dieses Buch zu veröffentlichen, habe ich mich entschieden, es zu publizieren. Im November 2014 habe ich dann meine erste Buchpräsentation in einem ErotikShop in Zürich veranstaltet.

Was bedeuten es für dich zu fesseln und magst du es auch selbst gefesselt zu werden?
In unserem ersten Kurs ging es um die Frage wer fesselt wen. Auch wenn ich gerne in der SupPosition bin, so hat es sich bewährt wenn ich die aktive und meine Partnerin die passive Rolle übernimmt. Das passt so für beide Seiten. Bei anderen Gelegenheiten ohne Seil oder an Partys werden dann die Rollen getauscht und meine Partnerin übernimmt den dominanten Part.

Hast du eine Grundregel für das Fesseln, welche jeder beachten sollte?
Es ist nicht immer alles möglich. Auch wenn eine Fesselung letzte Woche problemlos gefesselt oder vom Passiven ertragen werden konnte. Jeder Tag ist anders. Das sollte unbedingt berücksichtigt werden. Es ist ein grosser Fehler, wenn das Model „stark“ sein will und mehr ertragen möchte als in dieser Situation möglich ist oder wenn der Ringer unbedingt zeigen will was er schon alles gelernt hat.

Gibt es eine bestimmte Seilart, die du fürs Fesseln bevorzugst?
Für mich ist es nicht so wichtig, mit welchen Seilen ich binde. Klar, ins Schlafzimmer kommen nur Baumwollseile, denn die verlieren keine kratzenden Fasern im Bett und können nach einem Kontakt mit Körperflüssigkeit bei 40° gewaschen werden. In der Natur oder im Wohnzimmer oder sonst wo liebe ich meine Juteseile. Mit diesen fessle ich schon eine lange Zeit, daher sind sie sehr weich und verlieren kaum noch Fasern. Auch Seile aus Hanf mag ich sehr, da sie von Beginn an ziemlich weich sind. Meine Partnerin findet aber, dass sie sich in einer Fesselung nach kurzer Zeit sehr hart und schmerzhaft anfühlen.

Wird im Bondage nach Profi und Anfänger definiert und gibt es einen Moment ab wann jemand Bondage gemeistert hat?
Der Übergang vom Anfänger zum Profi ist fliessend und immer wieder kann etwas neues dazu gelernt werden. Wenn ich ein Seil perfekt, sicher und ohne Angst legen kann, bin ich noch lange kein Profi oder Meister. Um ein Meister zu werden muss ich eine Unmenge an Zeit investieren. Das ist bei einem Leben mit einem „anständigen“ Beruf und Fesseln nur ab und zu am Wochenende kaum möglich. Klar gibt es eine Reihe von grossen Meistern. Aber auch die versuchen immer wieder das Fesseln weiter zu entwickeln und neue Wege zu finden.

An welches Publikum richten sich deine Bücher?
Ich stelle fest, dass meine Bücher von Personen gekauft werden, die bis anhin wenig oder keinen Zugang zu BDSM und zum Fesseln im Speziellen gehabt hatten. An Messen höher ich sehr oft, dass Kunden mit den bekannten Fesselbüchern in Schwarz-Weiss nichts anfangen konnten und nun endlich mit meinen Büchern eine Fesselung Schritt-für-Schritt nachbauen konnten. Da in meinen Büchern die Fesselungen nicht fotografiert sondern gezeichnet sind, ist ein Knoten auch im festgezogenen Zustand noch zu erkennen. Dadurch wird eine Fesselung übersichtlicher und klarer dargestellt.

Hast du eine Lieblingsfesselung?
Nein. Das ist immer abhängig von der Verfassung meiner Partnerin. Meistens binde ich eine Oberkörperfesselung und versuche dann verschiedenen Wege um mein Model in die Luft zu bringen. In letzter Zeit habe ich die Semi-Suspension entdeckt. Da kann das Model zwischen Boden und Luft gefesselt werden und dabei noch gespielt und die Zeit ohne Angst vor Verletzungen und Hektik genossen werden.

Was planst du für deine vierte Ausgabe?
Wenn es so kommt wie von mir gewünscht, werde ich verschiedenen Riggern aus der ganzen Welt je ein Kapitel widmen. So können verschiedene Techniken und Herangehensweisen aufgezeichnet und erklärt werden. Bis jetzt habe ich einige mündliche Zusagen… Ob das aber klappt weiss ich noch nicht.

Was macht Shibaku so besonders?
Ich weiss nicht, ob Shibaku etwas besonderes ist. Ich versuche nicht 80 von 100 sondern immer 100 Prozent oder noch mehr zu geben. Vieles ist gut. Das reicht mir aber nicht. Meine Produkte müssen besser sein damit sie sich abheben.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Das ist im Moment eine schwierige Frage, denn ich bin noch immer am Aufarbeiten meiner aktuellen Projekte. Es sollen insgesamt fünf Bücher erscheinen und einige Poster mit Fesselungen aus diesen Büchern. Auch Messen, Veranstaltungen und Workshops sind in Planung. Wo es genau hingeht kann ich noch nicht sagen. Shibaku wird sich auf jeden Fall weiter entwickeln.

Gibt es noch etwas was du gerne erzählen oder den Lesern mit auf den Weg geben möchtest?
Wenn du das Fesseln für dich entdeckt hast, geniesse es und versuche Spass daran zu haben. Mache es so wie es für dich stimmt. Wenn es sicher ist, ist alles richtig und gut. Möge das Seil mit Euch sein.

Wie immer möchte ich mih herzlich bei Peter bedanken. Es war eine große Freude ihn auf der BoundCon 2019 zu treffen und dadurch die Möglichkeit bekommen zu haben, dieses Interview zu planen. Ich hoffe ihr konntet ein paar Sachen für euch mit auf den Weg nehmen und wer möchte kann jetzt hier direkt zu dem Review des ersten Bandes gelangen: Shibaku 1 – Basis und Grundlagen

Eure Lady Bluebird

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