Verhütungsmittel und deren (Aus-)Wirkungen

Jeder weiß, dass man Verhütungsmittel nutzen sollte, wenn man eine Schwangerschaft vorbeugen möchte, dennoch kennen viele gar nicht all ihre Optionen und Möglichkeiten. Insbesondere Jugendliche oder Personen ohne hohes Einkommen können beispielswese ihre Rezepte für Verhütungsmittel (zumindest in Berlin) im Gesundheitsamt checken lassen und kriegen dann ihre Pille oder auch Kondome umsonst! Das wissen viele nicht und kaufen teure Markenkondome im Supermarkt oder Sexshop oder müssen ihre Eltern fragen, ob sie ihnen Geld für die Pille geben können. Vielen ist das unangenehm und dann gehen einige darauf zurück, den Penis einfach schnell genug rauszuziehen und sind sich vieler Risiken wie dem Lusttropfen beispielsweise nicht bewusst. Was sind also unsere Möglichkeiten zur Verhütung? Denn gerade in einer festen Partnerschaft ist das eine Angelegenheit beider Partner.

Der Pearl Index
Es gibt viele Möglichkeiten, auf die wir gleich noch genauer eingehen, aber vorweg sollte noch gesagt werden, dass natürlich auch die ärztlichen Verhütungsmittel keine 100% Sicherheit bieten können. Hier kommt der sogenannte Pearl-Index ins Spiel, denn dieser klassifiziert Verhütungsmethoden bezogen auf ihre Sicherheit. Diese Zahl gibt an wie viele Frauen innerhalb eines Jahre Schwanger geworden sind, obwohl sie mit dem angegebenen Verhütungsmittel verhütet haben. Als Beispiel, wenn der Pearl-Index bei 0,1 bis 0,9 liegt, bedeutet dass, das eine bis neun Frauen von 1000 schwanger geworden sind. Ein Wert von beispielsweise 4 heißt, dass vier von 100 schwanger wurden.

Arten und Wirkungsweisen von Verhütungsmittel
Um euch ein paar der Verhütungsmöglichkeiten aufzuzeigen haben wir euch ein paar Kurzinformationen zusammengesucht und die jeweiligen Vor- und Nachteile, sowie den eben erklärten Pearl-Index. Diese Werte stammen von der Webseite Focus Arztsuche und wir stehen in keinem Zusammenhang für die Richtigkeit der Werte:

Coitus Interrupts
Eine der ältesten „Verhütungsmethoden“ der Welt. Hier zieht der Mann seinen Penis aus der Schiede seiner Partnerin heraus, bevor er zu einem Samenerguss kommt.

VorteileNachteile
– keine Kosten für Verhütungsmittel
– einfache Anwendung, keine Hilfsmittel notwendig
– kein Eingriff in den körpereigenen Hormonhaushalt
– keine Nebenwirkungen
– sehr unsicher
– kein Schutz vor Geschlechtskrankheiten
Der Pearl-Index beläuft sich auf 4-18

Diaphragma
Es handelt sich um eine Barrieremethode, welches den Weg der Spermien zur Gebärmutter versperrt. Es wird auch Pessar genannt und nutzt keine künstlichen Hormone. Es besteht aus Silikon und wird vor dem Sex eingesetzt. Hier die richtige Größe zu finden ist sehr wichtig und kann mit einem Frauenarzt gemeinsam besprochen werde.

VorteileNachteile
bei Bedarf einsetzbar
keine Auswirkung auf den weiblichen Hormonhaushalt
vergleichsweise günstig
latexfrei und damit auch für Allergiker geeignet
Einsetzen erfordert etwas Übung
fehleranfällig, hohe Versagerrate
Der Pearl-Index beläuft sich auf 6-14

Dreimonatsspritze
Hierbei handelt es sich um eine hormonelle Verhütung, welche 3 Monate anhält, aber dafür zu Nebenwirkungen neigt. Es wird bei einem Frauenarzt eine Spritze in den Arm gegeben (normalerweise). Alternativ kann diese auch in den Bauch oder Oberschenkel gegeben werden.

VorteileNachteile
– Langzeitschutz, über mehrere Monate wirksam
– eignet sich teilweise für Frauen, die kein anderes hormonelles Verhütungsmittel nehmen dürfen
– unregelmäßige Periode und Zwischenblutungen möglich
– häufig Nebenwirkungen (u. a. Akne, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme)
– einmal verabreicht, über drei Monate hinweg nicht absetzbar
– Knochendichte kann sich bei längerer Anwendungsdauer verringern
– regelmäßiger Besuch in der Arztpraxis notwendig
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.3-1.4

Frauenkondom (Femidom)
So gesehen ist es wie ein Kondom, nur invertiert und für die Frau. Das Frauenkondom ist hier ebenfalls wie eine Art länglicher Gummischlauch und hält die Spermien auf.

VorteileNachteile
– Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten
– bei Bedarf anwendbar
– enthält keine künstlichen Hormone, die den weiblichen Zyklus beeinflussen
– auch bei Latexallergie verwendbar
– Einlegen unterbricht den Geschlechtsverkehr
– Handhabung erfordert etwas Übung
– kann beim Sex knistern oder aus der Scheide rutschen
– nur einmal verwendbar
Der Pearl-Index beläuft sich auf 5-25

Hormonspirale
Hier wird eine hormonelle Spirale in die Gebärmutter eingesetzt, welche nach ca. 3-5 Jahren gewechselt werden muss. Die Wirkungsweise ähnelt stark der Pille mit dem unterschied, dass sie dort 3-5 Jahre sitzenbleibt und ihr euch keine Gedanken in der Zeit über Verhütung machen müsst.

VorteileNachteile
– kann nicht vergessen werden
– Blutung wird meist schwächer und Regelschmerzen lassen nach
– wirkt nur mit Gestagen, eignet sich auch bei Östrogen-Unverträglichkeit
– auch während der Stillzeit unbedenklich
– kein erhöhtes Thrombose-, Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Risiko
– Periode evtl. unregelmäßig oder bleibt ganz aus
– anfangs Gefahr für Infektionen in Gebärmutter und Eileitern leicht erhöht
– kann verrutschen oder ausgestoßen werden
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.16

Kondom
Das klassische Kondom wird über den Penis bis runter zum Schaft gezogen und ist recht günstig, flexibel und schnell einsetzbar und sorgt für eine recht hohe Sicherheit, sofern man seine Größe kennt!

VorteileNachteile
– schützt auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten
– einfach anzuwenden
– flexibel nach Bedarf einsetzbar
– leicht erhältlich
– sehr fehleranfällig in der Anwendung
– Überziehen braucht etwas Übung
– Unterbrechung des Liebesspiels nötig, um es überzustreifen
– evtl. verringerte Empfindungsfähigkeit
Der Pearl-Index beläuft sich auf 2-12

Kupferspirale
Im vergleich zu der „normalen“ Spirale ist die Kupferspirale ganz ohne hormonellen Zusatz. Welche Variante für euch besser ist hängt unteranderem von eurer Stärke der Regelblutung ab.

VorteileNachteile
– lange Wirkdauer (fünf bis zehn Jahre)
– Schutz auch bei Durchfall und Erbrechen
– keine tägliche Einnahme notwendig
– hormonfreie Verhütungsmethode, natürlicher Zyklus ist nicht beeinträchtigt
– örtliche Wirkweise, keine hormonellen Nebenwirkungen
– Einlegen kann schmerzhaft sein
– anfangs oft Zwischenblutungen, generell häufig verstärkte Regelblutung und ggf. größere Regelschmerzen
– kann verrutschen und Unterleibsschmerzen hervorrufen oder ausgestoßen werden
– leicht erhöhtes Infektionsrisiko in Gebärmutter und Eileitern
– etwas höhere Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.3-0.8

Pille
Die Pille ist eine der meist eingenommenen Verhütungsmethoden da sie sehr sicher ist. Jedoch möchten inzwischen viele Frauen die recht strengen Vorschriften zur regelmäßigen Einnahme der Pille nicht unterliegen und auf Verhütungsmittel übergehen, die nicht den Hormonhaushalt ändern.  

VorteileNachteile
– kann sich positiv auf Akne auswirken
reduziertes Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs (Kombi-Pille)
– kann Migräne (reine Gestagen-Pillen) und Regelschmerzen lindern
– sicher
– tägliche Einnahme (zur gleichen Zeit) notwendig
– leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen, Embolien, Brustkrebs
– Nebenwirkungen wie Libidoverlust, Stimmungsschwankungen/Depressionen, – Menstruationsstörungen möglich
– schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten
– evtl. Wirkungslosigkeit/-einschränkung bei Durchfall und/oder Erbrechen
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.1-0.9

Pille danach
Es handelt sich bei der Pille danach um eine Notfallverhütung, wenn man beispielsweise aus Versehen sein eigentliches Verhütungsmittel vergessen hat und ungeschützten Sex hatte.

VorteileNachteile
– wenig Nebenwirkungen
gut verträglich (bei einmaliger Anwendung)
– rezeptfrei erhältlich
– können auch Frauen punktuell einnehmen, die regulär nicht hormonell verhüten
– auch für stillende Frauen geeignet
– kein Schutz vor durch Sex übertragbare Krankheiten
– keine Wirkung, wenn sich die Eizelle schon eingenistet hat
– eventuell Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Schmierblutungen
– Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich
Der Pearl-Index beläuft sich auf 1

Tubensterilisation
Dies ist ein Verfahren, wo die Frau Sterilisiert wird und ein recht aufwändiger Eingriff ist im vergleich zum Eingriff beim Mann. Dieser endgültige Eingriff führt auch einige Risiken mit sich und die Bedingungen hierzu sind streng gesetzlich festgelegt. So ist zum Beispiel die Volljährigkeit und Zurechnungsfähigkeit hier von Nöten. Der Arzt darf nach einer Beratung nach eigenem Ermessen entscheiden, ob er den Eingriff durchführen will oder nicht. Meistens empfehlen Ärzte diesen eingriff nicht vor dem 35 Lebensjahr, solange dieser nicht medizinisch notwendig ist.

VorteileNachteile
– an Verhütung denken ist unnötig
– sexuelles Empfinden verändert sich nicht
– der Eingriff lässt sich kaum rückgängig machen
– eine Sterilisation kann die Hormonproduktion der Eierstöcke stören (Schmierblutungen möglich)
– kann die Psyche belasten
– teuer
– Komplikationen durch die Operation möglich
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0-0.5

Vasektomie
Hier wird die Samenleiter durch einen ärztlichen Eingriff durchtrennt, sodass der Mann mit sehr hoher Sicherheit Zeugungsunfähig wird. Die Samenproduktion wird hier nicht eingestellt sondern nur nicht mehr von den Hoden in die Harnröhre gelangen können. Von Ärzten werden hier zwei wichtige Punkte in der Beratung angesprochen; ein empfehlungsalter von mindestens 30 Jahren, sowie eine abgeschlossene Familienplanung.

VorteileNachteile
– sehr sicher
– vergleichsweise einfacher Eingriff
kein Einfluss auf Potenz, Samenerguss und Empfinden beim Sex
– Komplikationen durch OP möglich (Blutergüsse, Hodendruck)
– endgültige Entscheidung
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.1-0.15

Vaginalring
Ähnlich wie bei dem Diaphragma wird dieser Ring in die Scheide eingeführt und gilt zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Der Ring besteht aus einem silikonfreien medizinischen Kunststoff, der sich biegen lässt. Er hat eine ähnliche Wirkung wie die Pille, nur dass hier die Hormone nicht immer zu einem Schub (Einnahme der Pille) in den Körper und sein Verdauungssystem gelangen, sondern gleichmäßig abgegeben wird und nach 3 Wochen herausgenommen für eine Woche und anschließend ein neuer Ring wieder eingesetzt.

VorteileNachteile
– der Ring lässt sich ohne ärztliche Hilfe einsetzen und herausnehmen
– die Frau muss nicht jeden Tag an Verhütung denken, sondern nur zweimal im Monat (beim Einsetzen und Herausnehmen)
– wirkt auch bei Durchfall und Erbrechen
keine Hormonspitzen und -tiefs, da der Verhütungsring die Hormone gleichmäßig abgibt
– greift in den körpereigenen Hormonhaushalt ein (evtl. Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Stimmungsschwankungen usw.)
– leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt/Schlaganfall, bestimmte Krebserkrankungen (sehr selten)
– eignet sich nicht für Frauen, die aus medizinischen Gründen keine Pille nehmen sollten
– kein Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.4-0.65

Verhütungspflaster
Das Verhütungspflaster wird mit dem Arzt gemeinsam vorher besprochen, dann wird es 3x für sieben Tage aufgeklebt und wirkt wie eine Art Hormonpflaster. Es ist nur einmal benutzbar, ebenso wie der Vaginalring und nach 3 Wochen tragen gibt es eine Woche Pause, bevor ein neues Pflaster angeklebt wird.

VorteileNachteile
– leichte Anwendung
– sicheres Verhütungsmittel
– auch bei Erbrechen und Durchfall weiter wirksam
– äußerlich sichtbar
– Klebestellen können die Haut reizen
– kann sich ablösen
– evtl. anfangs Zwischenblutungen
l- eicht erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall und bestimmte Krebserkrankungen
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0.72-0.9

Verhütungsstäbchen

Es handelt sich hierbei um ein Verhütungsmittel, welches mittels Kanüle von einem behandelnden Arzt in den Arm durch einen kleinen Schnitt eingeführt wird. Normalerweise gibt es hierfür auch eine kleine lokale Betäubung. Es ist anschließend auch kaum zu sehen. Dann habt ihr erstmal eine Weile ruhe, nach 3 Monaten gibt es meist eine Kontrolle und nach durchschnittlich 3 Jahren wird es entfernt/erneuert.

VorteileNachteile
– sicher und unkompliziert in der Anwendung
– geringe gesundheitliche Risiken (auch für Frauen, die kein Östrogen vertragen oder nehmen dürfen)
– Monatsblutung und Regelschmerzen werden weniger
– keine tägliche Einnahme vonnöten, kann nicht vergessen werden
– auch wirksam bei Durchfall und/oder Erbrechen
– evtl. Nebenwirkungen wie Akne, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, sexuelle Unlust
– häufig wird die Regelblutung unregelmäßig, der Zyklus ändert sich
– verhältnismäßig teuer, vor allem bei vorzeitiger Entfernung
– Stäbchen kann im Körper „verlorengehen“ oder zu tief unter die Haut gelegt werden (ggf. OP nötig)
– keine Zykluskontrolle
Der Pearl-Index beläuft sich auf 0-0.08

Verhütungszäpfchen
Es handelt sich hierbei um ein chemisches Verhütungsmittel, welches kurz vor dem Sex (ca. 10 Minuten Einwirkungszeit) in die Vagina eingeführt wird. Dieses Zäpfen tötet Spermien ab und verlangsamt ihre Fortbewegung. Durch die Körperwärme und körpereigene Flüssigkeit schmilzt das Zäpfchen und bildet eine Art zähn Schaum. Wichtig ist hier, dass es richtig eingesetzt wird und sehr tief, so nah es geht an dem Muttermund, eingeführt wird.

VorteileNachteile
– einfache Anwendung
– leicht zu bekommen
– jederzeit einsetzbar
– nur bei Bedarf zu verwenden
– greift nicht ins körpereigene Hormonsystem ein
– allein kein sicheres Verhütungsmittel
– Brennen oder Wärmegefühl an Geschlechtsorganen möglich
– dauert einige Zeit bis die Wirkung einsetzt; kein spontaner Geschlechtsverkehr möglich
– muss jedes Mal aktiv und neu angewendet werden (auch bei mehrmaligem Sex hintereinander)
– chemische Wirkstoffe können über die Scheide in den Körper gelangen
Der Pearl-Index beläuft sich auf 6-21

Fazit
Jeder sollte für sich abwägen was die richtige Verhütungsmethode ist. Ob ihr das via Hormonmethoden oder anderen machen möchtet, ist eure eigene Entscheidung und ihr solltet euch nicht von jemanden zu irgendwas überreden lassen. Es ist euer Körper und die Verhütung betrifft immer beide, aber insbesondere die Frau da diese im ungewollten Fall trotzdem schwanger werden kann. ES ist euer recht mit eurem Partner darüber zu reden oder auch auf eine doppelte Verhütung (eigene Wahl + Kondom) zu bestehen. Vielleicht habt ihr heute ja ein paar neue Methoden kennengelernt und eine für euch interessante Option gefunden. Fragt einfach bei eurem Arzt nach und lasst euch Beraten für die Methode, die euch am meisten zusagt. Egal ob ihr schon lange eine bestimmte Verhütungsmethode nutzt oder nicht, ihr könnt diese ändern, wenn ihr euch damit nicht (mehr) wohlfühlt. Es ist euer Körper und ihr dürft über euch selbst entscheiden!

Disclaimer: Alle Hinweise in diesem Artikel sind allgemeine Informationen und dienen für keinerlei Selbstdiagnosen oder ähnliches. Arztbesuche sollten nicht durch Informationen aus dem Internet oder Büchern ersetzt werden.

Eure Lady Bluebird

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